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Quiz: Wer ist der Autor?
Dies ist Teil 2 einer Auswahl meiner Lieblingszitate aus Literatur und Philosophie, die ich regelmäßig aktualisiere.

Auch diese Zitate stammen alle von demselben Autor. Ein Hinweis auf seinen Namen folgt im Anschluß.
Zitate von einem anderen Autor sind hier (Teil 3)

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"...Ich habe jetzt längere Zeit darüber nachgesonnen, welcher Grund mich eigentlich bewogen hat, meine Hilfslehrerstelle aufzugeben. Denke ich jetzt darüber nach, so kommt es mir vor, als ob eine derartige Verwendung für mich eben das Richtige wäre. Heute ist mir ein Licht aufgegangen: Der Grund ist eben der gewesen, daß ich mich als ganz und gar geeignet für diese Stellung ansehen mußte. Wäre ich also in meinem Amte verblieben, so hätte ich alles zu verlieren gehabt, nichts zu gewinnen. Um deswillen hielt ich es für richtig, meine Stellung aufzugeben und bei einer umherreisenden Theatergesellschaft aus dem Grunde eine Anstellung zu suchen, daß ich kein Talent und somit alles zu gewinnen hatte."

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"Wenn Du mich also richtig verstehen willst, so kann ich gerne sagen, es komme beim Wählen nicht so sehr darauf an, das Rechte zu wählen, als vielmehr auf die Energie, den Ernst, den Pathos, mit denen man wählt. (...) Möge darum ein Mensch gleich das Unrechte wählen, er würde doch, eben um der Energie willen, mit der er gewählt, es entdecken, daß er das Unrechte gewählt."

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"Du übst Dich in der Kunst, allen ein Rätsel zu werden. Mein lieber junger Freund! Gesetzt, es gäbe niemand, der sich darum scherte, Dein Rätsel zu lösen - was für eine Freude hättest Du dann an der Sache?"

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"Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren"

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"Solchermaßen verstanden ist der Augenblick nicht eigentlich Atom der Zeit, sondern Atom der Ewigkeit. Er ist der Ewigkeit erster Widerschein in der Zeit, ihr erster Versuch, die Zeit gleichsam anzuhalten."

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"Wo steckt denn aber der Mißstand? In der reinen Idealität ist überhaupt keine Schwierigkeit verknüpft mit dem Übergang vom Verstehen zum Handeln. In der Welt der Wirklichkeit hingegen, in der von dem einzelnen Menschen die Rede ist, da ist dies kleine bißchen von Übergang zwischen Verstandenhaben zu Handeln. Wofern somit ein Mensch nicht in der gleichen Sekunde, da er das Rechte erkannt hat, es tut - ja, so hört erstens die Erkenntnis auf zu wallen und zu sieden. Und ferner entsteht dann die Frage: was hält der Wille von dem Erkannten? Es heißt: wir wollen es doch bis morgen überlegen... zuletzt ist die Erkenntnis auf die Seite des Willens übergegangen, und erkennt, es sei so ganz richtig wie der es wolle."

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"Mir ist zumute wie es einer Figur im Schachspiel sein muß, wenn der Gegenspieler von ihr sagt: 'diese Figur darf nicht bewegt werden.'"

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"Mein Leid ist meine Ritterburg, die, einem Adlerhorste gleich, hoch auf des Berges Spitze zwischen Wolken liegt; niemand kann sie erstürmen. Von ihr stoße ich hernieder in die Wirklichkeit und packe meine Beute; jedoch ich bleibe nicht da unten, ich bringe meine Beute heim, und diese Beute ist ein Bild, das ich hineinwebe in die Tapeten meines Schlosses. Allda leb ich einem Toten gleich. Alles, was erlebt ist, tauche ich unter in die Taufe des Vergessens zum ewigen Leben der Erinnerung. Alles Endliche und zufällige ist vergessen und getilgt. Da sitze ich als alter grauhaariger Mann in Gedanken und erkläre die Bilder mit leiser Stimme, beinahe flüsternd, und mir zur Seite sitzt ein Kind und hört mir zu, wiewohl es sich an alles erinnert, ehe denn ich es erzähle"

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"Ein Verzweifelter verzweifelt über etwas. Dergestalt sieht es einen Augenblick aus, aber es ist nur einen Augenblick. Indem er über etwas verzweifelte, verzweifelte er eigentlich über sich selbst. Wenn so z.B. der Herrschsüchtige, dessen Losung es ist 'entweder Caesar oder gar nichts', nicht Caesar wird, dann verzweifelt er darüber. Aber dies bedeutet etwas anderes: daß er, eben weil er nicht Caesar geworden, es nun nicht aushalten kann er selbst zu sein. Er verzweifelt mithin eigentlich nicht darüber, daß er nicht Caesar ward, sondern über sich selbst daß er nicht Caesar ward. Dies Selbst, welches, wenn er Caesar geworden wäre, seines Herzens ganze Lust gewesen wäre, übrigens in einem anderen Sinne ebenso verzweifelt, dies Selbst ist ihm nun das Allerunerträglichste. Was ihm das Unerträgliche ist, ist in einem tieferen Sinne nicht dies, daß er nicht Caesar ward, sondern dies Selbst, welches nicht Caesar geworden, ist ihm das Unerträgliche, oder noch richtiger, was ihm das Unerträgliche ist, ist dies, daß er sich selbst nicht loswerden kann. Wäre er Caesar geworden, so wäre er verzweifelt sich selbst losgeworden; aber nun ward er nicht Caesar, und kann verzweifelt sich selbst nicht loswerden. Wesentlich ist er gleich verzweifelt, denn er hat nicht sein Selbst, er ist nicht er selbst. Indem er Caesar geworden wäre, wäre er dennoch nicht er selbst geworden, sondern sich selber losgeworden; und indem er nicht Caesar geworden, verzweifelt er darüber sich selber nicht loswerden zu können."

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"Ein Verzweifelnder will verzweifelt er selbst sein. Aber wenn er verzweifelt er selbst sein will, so will er ja sich selbst nicht los sein. Ja, so scheint es; sieht man aber näher zu, so sieht man gleichwohl, daß der Widerspruch der gleiche ist. Das Selbst, daß er verzweifelt sein will, ist ein Selbst das er nicht ist (denn das Selbst sein wollen, das er in Wahrheit ist, ist ja das Gegenteil von Verzweiflung). Er will nämlich sein Selbst losreißen von der Macht, die es gesetzt hat... Wäre in einem Menschen nichts Ewiges, so könnte er überhaupt nicht verzweifeln... Und dergestalt muß die Ewigkeit handeln... daß ein Selbst zu sein das größte, das unendliche Zugeständnis ist, welches dem Menschen gemacht ist, zugleich aber der Ewigkeit Forderung auf ihn."

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Der Kaiser Nero: "Ich stelle ihn mir in in etwas älteren Jahren vor, seine Jugend ist vorüber, der leichte Sinn ist von ihm gewichen, und er ist bereits mit jeder nur denkbaren Lust vertraut, ist ihrer müde. Dies Leben aber, wie verderbt es sein möge, hat doch seine Seele reifen lassen; gleichwohl ist er trotz allem seinem Weltverstande, trotz aller seiner Erfahrung, noch immer ein Kind, oder ein junger Mensch. Des Geistes Unmittelbarkeit vermag nicht hindurchzubrechen, und heischt doch einen Durchbruch, verlangt eine höhere Form des Daseins. Soll dies aber geschehen, so wird ein Augenblick kommen, da des Thrones Glanz, da des Kaisers Macht und Ehre verbleicht, und dazu hat er den Mut nicht. Da greift er zur Lust, der ganzen Welt Klugheit muß ihm neue Lüste erdenken, denn allein im Augenblick der Lust findet er Ruh, und ist dieser vorüber, so keucht er vor Mattigkeit. Der Geist will immerfort durchbrechen, aber er vermag nicht zum Durchbruch zu gelangen, immerfort wird er betrogen, und Nero will ihm die Sättigung der Lust bieten. Da sammelt der Geist in Nero sich als eine finstere Wolke, des Geistes Grimm brütet über Neros Seele, und wird zu einer Angst, die selbst in des Genusses Augenblicke nicht versiegt. Siehe, deshalb ist des Kaisers Auge so düster, daß niemand seinen Anblick zu ertragen weiß, sein Blick so blitzeschwanger, daß er ängstigt, denn hinterm Auge birgt die Seele sich als finstre Nacht. Einen kaiserlichen Blick, so nennt man diesen Blick, es bebt davor die ganze Welt, und dennoch ist des Kaisers innerstes Wesen Angst. Ein Kind, das anders auf ihn sieht als er gewohnt, eines Auges Zufallsblick kann ihn entsetzen, es ist, als ob ihn dieser Mensch besäße; denn der Geist will an den Tag in Nero, will, daß Nero sich selber in seinem Bewußtsein zu eigen habe, aber das kann er nicht und preßt den Geist zurück und der häuft neuen Grimm. Nero besitzt sich selber nicht, und nur, wenn eine Welt vor ihm erbebt, ist er beruhigt, denn alsdann ist doch niemand da, der es wagte, ihn zu packen. Daher diese Menschenangst, wie Nero sie gemeinsam hat mit jeder Persönlichkeit dieser Art. Er, der Kaiser Roms, kann fürchten des erbärmlichsten Sklaven Blick. Solch ein Blick trifft ihn, sein Auge verzehrt den Menschen, der dergestalt auf ihn zu sehen wagt. Das halbe Rom brennt er nieder, doch seine Qual bleibt die gleiche. Bald erfrischt ihn dergleichen nicht mehr. Es gibt eine noch höhere Lust: er will Menschen ängstigen. Er ist sich selber rätselhaft, und sein Wesen ist Angst; jetzt will er allen ein Rätsel sein und an ihrer Angst sich erquicken. Daher dies kaiserliche Lächeln, das niemand begreifen kann."

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"Mitunter findet man bei Persönlichkeiten dieser Art eine gewisse Gutmütigkeit: zu der gleichen Zeit, da alle Schätze und Herrlichkeiten der Welt kaum hinreichen, Menschen dieser Art zu ergötzen, trifft es sich dann so, daß ein einzelnes Wort, eine kleine Merkwürdigkeit, das Äußere eines Menschen, oder sonst eine an und für sich unbedeutende Sache, ihnen eine außerordentliche Freude zu bereiten vermag. Ein Nero kann über dergleichen sich freuen wie ein Kind... Für gewöhnlich ist Nero darum ein Greis; ein vereinzeltes Mal ist er ein Kind."

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"Wenn Sokrates jetzt lebte, so würde er über dergleichen nachdenken... und ich bin überzeugt, er hätte zu mir gesagt: O! Lieber, damit handelst du recht, daß du über solche Dinge nachdenkst, die der Überlegung wohl wert sind; ja! ... Und diese Gewißheit ist mir unendlich mehr wert als das Bravo der gesamten Mitwelt; denn jene Gewißheit gibt meiner Seele Unerschütterlichkeit, der Beifall würde sie zweifelhaft machen."

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Der Autor, aus dessen Werken diese Zitate stammen, heißt:

S _ _ e n * K _ e _ _ e _ _ _ r _



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